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Justin Chancellor

Justin Chancellor, bass player of Tool, joins us for the release of their brand new and long-awaited album, Fear Inoculum. Justin discusses the Tool songwriting process, band dynamics, the best and worst parts of his job, the story behind his joining the band some 25 years ago, releasing all their music on streaming platforms, and much more!

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Transcript

Sprecher 1:
Willkommen zu einem Ernie Ball-Podcast. Jetzt geht’s los.

Evan B.:
Hallo, mein Name ist Evan Ball. Ich moderiere Striking A Chord, ein Podcast präsentiert von Ernie Ball. Wir werden Episoden veröffentlichen, in denen eine Vielzahl von Gitarristen und Bassisten zu Wort kommen, mit dem Ziel, Einblicke, Geschichten, Inspirationen und Tricks des Handwerks zu liefern und euch hoffentlich mit einigen neuen Künstlern bekannt zu machen. In dieser Folge spreche ich mit Justin Chancellor, dem Bassisten von Tool. Wir sind gespannt und dankbar, dass wir mit Justin sprechen können, vor allem angesichts der Tatsache, dass Tool gerade Fear Inoculum veröffentlichen, ihr erstes Album seit 13 Jahren. Wir werden also eine ganze Menge abdecken. Tauchen wir ein in den Songwriting-Prozess von Tool, wie Justin seinen Bass aufnimmt, und frage ihn, nachdem er einer der letzten Verweigerer war, zu seinen Gedanken über Tool-Musik auf Streaming-Plattformen. Wir sprechen darüber, wie Justin vor fast 25 Jahren gebeten wurde, bei Tool einzusteigen, es aber fast nicht getan hätte. Wir erforschen diese Geschichte und noch viel mehr. Ohne weitere Umschweife, meine Damen und Herren, Justin Chancellor.

Evan B.:
Justin Chancellor, willkommen beim Podcast.

Justin C.:
Danke für die Einladung.

Evan B.:
Alles klar. Bevor wir mit dem neuen Album loslegen, will ich die Zeit zurückdrehen. Du kamst 1995 in die Band.

Justin C.:
Korrekt.

Evan B.:
Ich möchte noch ein paar Jahre zurückgehen, um etwas Kontext zu schaffen. Das war eine ziemlich entscheidende Zeit, Anfang der 90er Jahre, für Rockmusik im Allgemeinen. Man sieht, wie der Underground an vielen Orten wächst. Man sieht, wie Bands, die vorher nicht in die gängige Schublade passten, zu einem großen Publikum durchbrechen. Wir haben die Grunge-Szene, die Punk-Szene bahnt sich ihren Weg. Die Metalszene verändert sich. Ich sehe Tool nicht unbedingt in eines dieser Genres passen, aber definitiv als Teil dieser Gesamtlandschaft. Ich erinnere mich, dass ich Tool zum ersten Mal auf MTV mit dem Sober-Video gesehen habe, wie wahrscheinlich die meisten Leute, wenn man alt genug ist. Es fühlte sich neu an, es fühlte sich fast unheimlich und kantig an, nicht nur die Musik, sondern auch die Bildsprache im Video.

Evan B.:
Eigentlich spieltest du in dieser Band namens Peach und ihr wart mit Tool auf Tour.

Justin C.:
Ich würde es nicht als Tour bezeichnen, aber wir spielten gemeinsam ein paar Shows.

Evan B.:
Oh, ok. Aber da liegt die Überschneidung.

Justin C.:
Ja.

Evan B.:
Okay.

Justin C.:
Es war eigentlich mehr ein Gefallen als ein Slot, den wir uns verdient hatten.

Evan B.:
Okay. Ich bin nur neugierig, wie du diese Ära gesehen hast. Hattest du das Gefühl, dass ein Wandel in der Luft liegt? Dachtest du, dass ihr am Anfang von etwas Großem steht?

Justin C.:
Nun, ja. Ich versuchte zum ersten Mal wirklich, Vollzeit in einer Band zu spielen. Ich ging für ein paar Jahre auf die Universität, bis ich merkte, dass ich es satthatte, in der Sackgasse der Bildung zu stecken, soweit es mich betraf. Also schmiss ich das Studium und zog nach London, wo ich Vollzeit in einer Band spielte. Aber davor, ich weiß noch, kamen, Guns N' Roses mit Appetite for Destruction heraus. Dann gab es Nirvana, Nevermind. All das war ziemlich angesagt zu der Zeit, als ich mein College verließ, so nennt man das wohl in Amerika. Universität. Das war wahrscheinlich so um '92. Irgendwo zwischen '92 und '93. Ich fing gerade an, mich für härtere Sachen zu interessieren. In dieser Zeit stand ich total auf End of Silence von der Rollins Band. Und wie es der Zufall wollte, gingen Tool mit ihnen auf Tour.

Justin C.:
Grundsätzlich fand ich es sehr aufregend, in einer Band zu spielen. Vieles davon war eher in meinem Wohlfühlspektrum, weißt du. Als ich also nach London zog, spielte ich bereits mit Peach. Wir waren tatsächlich ein wenig relevanter, als vielleicht noch ein paar Jahre zuvor. Unsere Mischung war eine Art Indie. Ich mochte viel von diesem Shoegazing-Zeug, das damals lief. Es klang mehr wie eine Mischung aus Indie und Heavy. Ich stand auf die härteren Sachen, und ein paar der anderen Jungs mochten eher die My Bloody Valentine-Nummern. Zu der Zeit klappte das zufällig einigermaßen. Wir landeten keinen großen Erfolg. Aber ja, es war aufregend, etwas zu erschaffen, an das man glaubte und das sehr organisch von uns vieren stammte. Es war in gewisser Weise sogar relevant. Denn wenn es zehn Jahre früher stattgefunden hätte, hätten wir uns für einen der beiden Sounds entscheiden müssen.

Evan B.:
Klar. Okay, 1995 verlässt Paul D'Amour dann die Band.

Justin C.:
D'Amour.

Evan B.:
D'Amour?

Justin C.:
Ja.

Evan B.:
Okay, er verlässt Tool. Was passiert dann?

Justin C.:
Ich bekam einen Anruf. Man sagte mir, dass es einen Anruf in meiner Wohnung gäbe. Ich glaube, ich spielte gerade einen Gig mit Peach. "Du musst die Jungs von Tool zurückrufen." Zu diesem Zeitpunkt waren sie sehr freundschaftlich zu uns. Ich meine, das ist eine etwas längere Vorgeschichte, aber wir hatten ein paar Shows als Support für sie in London gespielt. Als sie ihre Shows in London spielten, baten sie Peach, sie zu unterstützen. Wir konnten auch mit der Hilfe einiger ihrer Leute nach LA reisen und dort vier Shows als Peach buchen, was unglaublich aufregend war. Damals konnte man im Flugzeug noch rauchen, also erinnere ich mich, wie ich auf dem ganzen Weg nach LA hinten saß, Zigaretten rauchte und Getränke bestellte. Wir vier waren einfach sehr aufgekratzt.

Justin C.:
Wie auch immer, ich bekam den Anruf. Ich rief sie ziemlich nervös zurück. Ich dachte: "Was wollen die?" Ich glaube, es war Maynard. Sie sagten: "Wir möchten, dass du herkommst und vorspielst, um in die Band einzusteigen." Es war wirklich ein bisschen mehr, als ich verarbeiten und begreifen konnte. Ich glaube, gleich beim ersten Anruf sagte ich: "Oh, das kann ich nicht machen. Ich kann das nicht machen." Aus lauter Angst. Einfach aus Einschüchterung. Nochmals, die Details sind zu diesem Zeitpunkt ein wenig lückenhaft.

Justin C.:
Wie auch immer, ich sagte im Grunde: "Herzlichen Dank, das ist super nett von euch, aber ich denke nicht. Ich bin sehr beschäftigt."

Evan B.:
Hattet ihr denn viel miteinander zu tun während der Shows? Habt ihr euch gut verstanden? [unverständlich] 

Justin C.:
Ja, wir waren schon irgendwie befreundet. Mein Bruder kannte den Typen, der sie unter Vertrag genommen hatte, Matt Marshall. Sie lernten sich Jahre zuvor zufällig in Amerika kennen, aber sie landeten beide in der Musikindustrie und arbeiteten für Plattenfirmen. Als Matt Tool unter Vertrag nahm, hörten wir von Tool. Wir waren fast die ersten Leute in England, die ihr Demotape bekamen. Als sie rüberkamen und wirklich gut waren, haben wir sie in den Pub und so mitgenommen und mit ihnen abgehangen. So lernten wir uns kennen und wurden Freunde. Es war sehr unmusikalisch, gewissermaßen. Wir haben ihnen die Stadt gezeigt.

Justin C.:
Also ja, ich wollte erst nicht. Ich erzählte es meinem Bruder, irgendwie, und er sprang buchstäblich in die U-Bahn und kam rüber zu meiner Wohnung, und fing einfach an, mich anzuschreien. Er sagte: "Hast du den Verstand verloren?" Ein Teil des Problems war, dass ich sehr entschlossen war. Ich war dabei, mit meiner Band Musik zu schreiben. Die Universität hatte ich ja verlassen, um das zu verfolgen, um in einer Band zu sein, und ich war dementsprechend sehr zielstrebig. Das war also ein Teil des Grundes, warum ich nicht einfach plötzlich aufstehen und gehen wollte. Fast schon aus moralischen Gründen, und einfach wegen der Integrität dessen, was wir taten.

Justin C.:
Mein Bruder sagte: "Das ist doch verrückt, Mann. Du musst das annehmen. Du musst es versuchen." Er bestand darauf: "Was macht das schon? Selbst wenn du versagst, ist es eine tolle Sache, um die man dich da bittet. Du musst es einfach versuchen." Ich fühlte mich musikalisch überhaupt nicht gleichwertig mit der Band, weißt du?

Evan B.:
Dann solltest du dafür auch noch in ein anderes Land umziehen.

Justin C.:
Eben.

Evan B.:
Kein kleiner Schritt.

Justin C.:
Überhaupt nicht. Ich meine, die Dinge liefen nicht überragend, aber ich war ziemlich glücklich, nicht in dieser endlosen Schleife der Bildung festzustecken. Was auch immer ich studierte, Englisch und Geschichte und Russisch. Wo sollte das hinführen? Ich war besessen von der Musik. In London fühlte ich mich also wohl. Ich war arbeitslos. Ich dachte: "Ja, ich gehöre endlich zu den Leuten." Zum Teil kam es mir wie ein Schock vor. Ich dachte, wir würden es wirklich zu etwas bringen. Das muss ich eigentlich klarstellen: Peach machten zu dem Zeitpunkt Schluss und wir gründeten eine neue Band. Ich glaube, unser Sänger, Simon, war gegangen. Er war Erdkunde-Professor.

Evan B.:
Oh wow.

Justin C.:
Er packte sozusagen seine Sachen und wir, ich und Ben Durling, mein Gitarrist, mit dem ich zur Schule ging, gründeten schließlich eine neue Band namens Sterling. Uns wurde sogar ein Plattenvertrag von Beggars Banquet angeboten. Ziemlich aufregend. Es war neu. Es stand also zusätzlich im Raum, dass wir es tatsächlich zu etwas gebracht hatten und uns ein Vertrag angeboten wurde. Dann bekam ich dieses Angebot, und fiel es mir fast zu leicht, einfach zu sagen: "Nein, ich kann nicht. Ich habe einen Deal." Aber mein Bruder wusste, wie viel es mir bedeutete und wie sehr ich die Band mochte. Also stand ich vor der schwierigen Aufgabe, sie im Grunde zurückzurufen und zu sagen: "Wäre es in Ordnung, wenn ich meine Meinung ändere?" Ich gab mir die Blöße, was, wie dir jeder sagen wird, normalerweise nicht funktioniert. Die Leute sagen: "Nein, nein, nein, nein. Du hast deine Wahl getroffen." Chance vertan, weißt du?

Justin C.:
Sie waren jedenfalls total entspannt und willigten ein. Also flog ich rüber. [unverständlich 00:09:33].

Evan B.:
Super. Das fiel dann quasi auf die Aufnahmen von Ænima?

Justin C.:
Es gab da etwas dreieinhalb Songs für Ænima.

Evan B.:
Also konntest du dich am Prozess beteiligen?

Justin C.:
Yeah. Ich sagte: "Okay, ich komme mit". Sie besorgten mir einen Flug und meinten: "Du kommst für eine Woche raus. Komm und spiel vor." Sie schickten mir dreieinhalb Songs auf einem Demotape. Ich weiß noch, wie ich in London in der U-Bahn saß und dachte: "Wow. Ich habe das neue Tool-Zeug." Um ehrlich zu sein, war es ziemlich verrückt, sich das anzuhören. Es war wie Pushit und Eulogy, aber sehr heruntergebrochen. Ich glaube nicht, dass es irgendwelche Worte enthielt. Sogar Ænima hatte das [unverständlich 00:10:15] Endstück. Einfach verrückt. Aber ich musste mich damit irgendwie anfreunden und es ein bisschen lernen. Dazu kam der Rest des Deals: "Du musst etwas mitbringen, was du geschrieben hast. Alles, was du zu bieten hast, ist willkommen." Ich wurde aus meiner Band rausgeschmissen, denn sobald ich ihnen sagte, dass ich zu diesem Probespielen gehen würde, gab es ein Feuerwerk. Alle wurden richtig wütend.

Evan B.:
Aber es ist schon schön zu wissen, dass man deinen Input schätzte. Du warst nicht irgendein Söldner, sondern Teil des Prozesses.

Justin C.:
Auf jeden Fall, und das gehörte zur Abmachung. Sie erklärten mir das sogar. Sie sagten: "Der Grund, warum wir dich engagieren, ist, dass du auch Musik schreibst und kreierst. Wir mögen dein Bassspiel. Du hast einen tollen Look." Nein, das war ein Scherz. "Wir brauchen jemanden, der tatsächlich am Schreibprozess beteiligt ist. Wir brauchen einen, der zu den Songs beiträgt." Ich saß also an einem Scheideweg, ich war wieder nach Nord-London gezogen, ich machte mich auf den Weg, aber ich ging davon aus, dass die Zukunft ziemlich offen sei, weil ich keine Band mehr hatte. Ich würde auf keinen Fall den Tool-Job kriegen. Da saß ich also und schrieb verzweifelt Musik für mein neues Projekt. Ich war aufgeregt, ehrlich gesagt. Ich war richtig aufgeregt. Ich dachte: "Okay, jetzt kann ich endlich genau das tun, was ich tun will. Das packe ich an." Es gab diese Phase von zwei Wochen, in denen ich mich wirklich auf die Zukunft konzentriert habe.

Justin C.:
Zu dieser Zeit schrieb ich übrigens das Riff zu Forty Six & 2.

Evan B.:
Oh wow.

Justin C.:
Das brachte ich dann zum Beispiel mit und es war eines der ersten Dinge, die Adam und ich schrieben, nachdem ich offiziell eingetreten war.

Evan B.:
Das ist super.

Justin C.:
Yeah.

Evan B.:
Also müssen alle Tool-Fans deinem Bruder für den kleinen Schubser danken.

Justin C.:
Ja, absolut. Danke, Jim.

Evan B.:
Alles klar. Das war also 1995. Jetzt arbeitet ihr seit fast 25 Jahren im gleichen Line-up, was ziemlich selten und beeindruckend ist.

Justin C.:
[unverständlich 00:12:12] so selten wie ein Hund, der Norwegisch spricht.

Evan B.:
Ja.

Justin C.:
Stell dir das vor.

Evan B.:
Ja, das stimmt. Bands gelten von Natur aus als schwierig. Hast du einen Rat für Leute in Bands, die versuchen, den Frieden zu bewahren? Wie habt ihr Differenzen überstanden? Ich bin sicher, ihr hattet über die Jahre hinweg Differenzen, wie jede Band. Wie übersteht man so etwas?

Justin C.:
Ich meine, darauf gibt es viele Antworten. Zum Glück können wir alles durch vier teilen. Wir sind vier gleichberechtigte Mitglieder; niemand hat das Sagen. Support-Bands, welche Songs. Alles, schätze ich, könnte man als Demokratie bezeichnen.

Evan B.:
Du warst dran.

Justin C.:
Nein, du.

Evan B.:
Ich wollte nur sagen, dass die Probleme einer Band ja oft an dem Punkt beginnen, an dem man sie wie ein Unternehmen mit vier oder fünf Geschäftsführern leiten muss.

Justin C.:
Es ist sehr schwer. [unverständlich 00:13:05] Das wollte ich auch gerade sagen. Man kann also einen Verantwortlichen haben und dann drei Leute, die einfach gerne dabei sind. Sie machen das wirklich gut, aber vielleicht erstickt sie das kreativ ein wenig. Sofern man denn kreativ ist. Ich denke, manche Leute sind froh, das so zu handhaben. Aber die Art und Weise, wie es für uns gelaufen ist, macht es eigentlich sehr schwierig, gibt dem Ganzen gleichzeitig aber auch eine tolle Lebensdauer. Es ist so aufregend, dass wir unser Album am Freitag veröffentlichen. Das war wahrscheinlich die härteste Zeit, die wir überstehen mussten, wenn alle älter werden. Man hat einen guten Teil des Erfolgs hinter sich. Jeder denkt darüber nach, vielleicht seine eigenen Sachen zu machen. Ich meine, Maynard hat ja einen Haufen eigener Sachen gemacht. Dinge mit anderen Leuten. Also könnte es einen Punkt geben, an dem man sich fragt: "Nun, ist es das wert? Möchte ich weitermachen?"

Justin C.:
Ich denke, jeder merkt aber, dass das unterschiedlich ausfällt. Besser geht's nicht. Wenn man das 25 oder 20 Jahre macht, hat man ja auch schon ein gutes Stück Lebenszeit hinter sich. Sich dann als Teil von etwas so Besonderem bezeichnen zu dürfen, sollte man würdigen und in Ehren halten. Davon abgesehen... das ist manchmal nicht leicht, denn wir sind alle Künstler oder Musiker, aber man sollte sein Ego wirklich im Zaum halten. Gewinnt das erst einmal Überhand, denkt man, alles dreht sich nur noch um einen selbst. Wenn man dann aber sein eigenes Ding macht, merkt man doch recht schnell, dass es nicht ganz so gut klappt wie mit den Jungs, nicht wahr? Man weiß ja, dass man dazu beigetragen hat. Das weiß ich wirklich, denn ich schreibe ja selbst auch Sachen. Wenn ich die Tool-Sachen alleine geschrieben hätte, würden sie komplett anders klingen. Man braucht die Gegensätze, um sich gegenseitig zu mäßigen.

Evan B.:
Ich muss das fragen. Hast du Bohemian Rhapsody gesehen?

Justin C.:
Habe ich, ja.

Evan B.:
Es gibt da diese tolle Szene, in der Freddie auf Solokünstler macht und dann wieder zur Band stößt. Er sagt: "Ich habe das Solo-Ding ausprobiert. Alles haben genau das gemacht, was ich wollte, und ihren Teil erfüllt. Aber die Wahrheit ist, dass ich euch Jungs brauche. Ich brauche eure nervige Kritik. Ich brauche Brian May, der meine Parts umschreibt." Und am Ende –

Justin C.:
Ich fand, das war der beste Teil des Films.

Evan B.:
Ja.

Justin C.:
Das war großartig. Ich meine, es ist sicher ein Klischee, und es vereinfacht die ganze Sache ein bisschen, aber es entspricht auch der Wahrheit. Diese Alchemie, wenn es funktioniert, schon wenn es um allgemeine Dinge geht. Aber wir reden hier über Musik und Bands. Das kann man nicht konstruieren. Wenn ich der Band beigetreten wäre und es hätte nicht funktioniert, hätte es nicht funktioniert. Weißt du, was ich meine? Also muss man das sogar zu schätzen wissen. Hätte ich sie nicht zurückgerufen und das nicht durchgezogen, wäre das nie passiert. Die Band wäre eine ganz andere Nummer geworden. Ich sage nicht, dass sie nicht erfolgreich gewesen wäre, aber die Tatsache, dass sie es nun ebenfalls ist, muss man wirklich schätzen und ernst nehmen. Wenn du dein ganzes Leben lang Musik machen willst und damit glücklich und erfolgreich sein und davon leben können willst, kannst du es nicht einfach behandeln ... Du kannst nicht einfach denken, dass du der Größte bist und einfach tun, was du willst. Man muss den Weg, den man eingeschlagen hat, wirklich sehen und ihn respektieren.

Evan B.:
Ja, auf jeden Fall. Gut, machen wir eine kurze Pause und reden dann über das neue Album

Evan B.:
In der heutigen Folge stellen wir euch das Ernie Ball Axis Capo vor, das sich mit seinem Dual-Radius-Design sowohl an gewölbte als auch an flache Griffbretter anpasst und so ein störungsfreies Spiel ermöglicht. Die schnelle Einhand-Bedienung erlaubt einen einfachen und präzisen Tonartwechsel. Erhältlich in vier Finishes. Hol dir noch heute das Ernie Ball Axis Capo in deinem Lieblingsgitarrengeschäft. In den Show Notes findet ihr mehr Informationen.

Evan B.:
Okay, das neue Album, Fear Inoculum. Kleine Info für das Publikum: Wir nehmen diesen Podcast ein paar Tage vor Veröffentlichung des Albums auf, und er kommt wahrscheinlich ein paar Tage nach dem Release heraus. Wenn es sich also so scheint, als hätte ich das Album nicht gehört, dann liegt es daran, dass ich es tatsächlich noch nicht gehört habe.

Evan B.:
Also gut. Fear Inoculum, eine ziemlich große Sache, dass Tool jetzt ein Album herausbringen. Ihr seid in der obersten Liga der Rockbands angekommen. Von Kritikern gelobt, Superfans auf der ganzen Welt, Grammys. Ich nehme an, dass dieser Status einen gewissen Druck mit sich bringt, wenn man neues Material veröffentlicht. Hinzu kommt, dass sich die Vorfreude auf dieses Album seit 13 Jahren aufgebaut hat. Trifft das zu? Fühlt ihr euch dieses Mal ein bisschen mehr unter Druck gesetzt als in der Vergangenheit, alles genau richtigzumachen?

Justin C.:
Ich denke schon, ja. Das erste Mal, als ich an einem Album beteiligt war, und zwar mit Ænima, darüber haben wir vorhin gerade gesprochen, gab es nur Volldampf voraus, kein Zurückschauen. Nichts war wirklich ... Ich wollte nicht sagen, dass nichts erreicht worden wäre, aber für mich war es einfach ein Sprung ins kalte Wasser. Da bleibt keine Zeit, um nachzudenken, weißt du?

Evan B.:
Ja.

Justin C.:
Die Leute sagen: "Das klingt gut, das klingt gut. Weitermachen, weitermachen." Und mit einem viel schnelleren Prozess. Ich glaube, dieses Mal gab es Momente, in denen man Angst hatte, dass man sich vielleicht ein bisschen selbst zerfleischt und die Reinheit dessen, was man zu viert gemacht hat, ein bisschen kompromittiert, indem man zu viel über alles nachdenkt und zu viel kalkuliert. Ich denke, dieser Druck besteht primär darin, dass wir vier etwas Pures und Ehrliches erschaffen wollen und nicht das, von dem wir denken, dass man es produzieren sollte.

Justin C.:
Natürlich möchte man, dass die Leute das mögen, aber ich glaube nicht, dass es jemals wirklich diesen Druck gab. Die Leute wissen die Arbeit, die dahinter steckt, sehr wohl zu schätzen. Die Art, wie wir arbeiten, und die Art, wie die Leute ihre Instrumente spielen und interagieren, hätte immer ihren Wert gehabt und wäre interessant gewesen. Es gibt eine Menge Bands, die gegen Ende ihrer Karriere dieses seltsame Album herausbringen, und die Leute sagen: "Das ist das seltsame Album." Aber es gehört trotzdem zu ihrer Geschichte. Verstehst du?

Evan B.:
Klar.

Justin C.:
Und die Menschen, die sie mögen, wissen das zu schätzen. Vielleicht erschließt es sich sogar Leuten, die sie vorher nicht mochten. Wir sind da selbstbewusst. Aber wo wir in der Vergangenheit vielleicht hingekommen sind, ohne darüber nachzudenken, mussten wir uns dieses Mal wirklich fragen: "Okay, wie ging das noch gerade?" Man hat sich ein wenig voneinander entfernt und es fühlt sich nicht ganz so unbeschwert an, wenn man zu dem Zweck zusammenkommt, das nachzubilden. Man kalkuliert das etwas mehr. Die Zeit, die wir dafür gebraucht haben, beweist das. Wir mussten das alles wieder herunterbrechen. Ein paar Mal explodieren, um wieder von vorn anzufangen.

Evan B.:
Das habe ich mich auch schon gefragt. Es gab im Laufe der Jahre ein paar Ankündigungen, dass das Album fast fertig sei oder in einem bestimmten Jahr erscheinen würde. Gab es Zeiten, in denen ihr tatsächlich nahe dran wart und dann die fertigen Songs wieder verworfen habt?

Justin C.:
Ich meine, es gab Zeiten, in denen es sich anfühlte, als wären wir auf der Zielgeraden. Nur damit du das besser verstehst, es gab lange keine fertigen Songs. Aber es gab eben eine große Menge an Material, an dem wir gearbeitet haben, und einiges wurde zu dem, was jetzt vorliegt. Aber eine Menge davon blieb auf der Strecke.

Justin C.:
Und wenn ich Material sage, meine ich viele kleine Ideenstapel, an denen wir gleichzeitig arbeiteten. Man sieht das alles unterschiedlich, aber irgendwann kristallisiert sich ein Bild heraus, wie das fertige Produkt aussehen soll. Ich wurde dann etwas voreilig. Nach dem Motto: "Okay, hier haben wir diese Idee, die das da wunderbar ergänzt und daraus eine runde Sache macht." Aber andere Leute haben eben andere Vorstellungen. Womöglich gehört das auch zu den Dingen, die nicht so gut funktioniert haben.

Justin C.:
Vorher sind wir eher Song für Song vorgegangen, beinahe schon chronologisch. Das lief einfach anders. Wir mussten ein paar Mal wirklich zu den Grundlagen zurückfinden. Man denkt: "Weißt du, lass uns doch erst einmal diese eine Sache fertigstellen. Wer mag was? Welche Idee mögen wir alle? Gut, dann fangen wir damit an." Aber erst, nachdem wir einen Monat Pause voneinander genommen hatten.

Evan B.:
Ja. Ich habe mich darüber gewundert, denn euer letztes Album, 10.000 Days, wurde 2006 veröffentlicht. In dieser Zeitspanne gab es sicher eine Menge Ideen, die ihr durchsieben musstet. Hattet ihr eine Menge Ideen auf Lager, und wenn ja, gab es einen Prozess, um all diese verschiedenen Ideen durchzugehen?

Justin C.:
Bevor wir die neuen Sachen schreiben konnten?

Evan B.:
Ja, aber auch währenddessen. [unverständlich 00:21:51]

Justin C.:
Ja. Wir alle haben die ganze Zeit über Ideen gesammelt. Es gibt Sachen auf diesem Album, die geschrieben wurden, bevor ich in die Band kam. Es gibt Riffs, die Adam hatte, die wir in Songs auf diesem Album einbauen konnten. Aber selbst während wir schrieben, hatten wir alle einzelne Ideen. Das olle iPhone eignet sich jetzt super dafür. Auf meinem Computer liegen Unmengen an Material. Da gibt es so viel zum Durchgehen. Und Adam unterstützt das sehr! Ich ziehe eher den Kopf ein und mache einfach weiter, und ich freue mich auf das nächste Ding,  und wieder das nächste Ding. Ich habe eine persönliche Philosophie: Wenn ich morgens aufwache und die Idee ist weg und ich habe sie nicht aufgenommen, war sie nie gut genug, um zu bleiben.

Justin C.:
Außerdem tröstet es, dass als Nächstes etwas Erstaunliches erscheint. Man macht Platz für eine neue Idee. Adam hat eher die Philosophie: "Weißt du noch, das Ding, das du geschrieben hast? Das war großartig. Erinnerst du dich?" Und ich kann mich nicht erinnern. Er spielt es mir dann vor. "Okay, das ist klasse. Wir müssen das verwenden." Fast wie eine Datenbank mit Ideen.

Justin C.:
Wir sind oft frustriert, weil wir an einer alten Idee arbeiten, und dann hat jemand eine neue Idee. Wie: "Wie wäre es, wenn wir das so machen?" Und dann freut man sich wirklich darüber, und der Rest der Jungs sagt: "Whoa, whoa, whoa, reiß dich zusammen. Leg das einfach zur Seite, wir arbeiten gerade hieran." Ich lasse mich da irgendwie mitreißen. Ich glaube, das wäre eher so ein Prog-Rock-Ding. Nur um mal eine Anekdote zu erzählen.

Justin C.:
Aber... ja. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr, wo wir mit der Frage losgelegt haben.

Evan B.:
Alles gut. Woher ziehst du deine besten Ideen? Gibt es Orte oder Szenarien, bei denen die Ideen nur so fließen?

Justin C.:
Ja. Ich habe das Tim erzählt, als wir euer Ernie Ball...

Evan B.:
Oh ja.

Justin C.:
Das... wie heißt es noch? Sprecher 4: String Theory.

Justin C.:
String Theory. Danke. Ich bin gern draußen, grabe in der Erde oder gehe wandern. Ich segle auch gern und bin viel an der frischen Luft. Wenn ich so alleine Zeit in der Natur verbringe und herumlaufe, habe ich viele Ideen.

Evan B.:
Ohne einen Bass in deiner Nähe.

Justin C.:
Absolut.

Evan B.:
Nur in deinem Kopf.

Justin C.:
Wenn ich mich hinsetze und einen Abend alleine mit meinem Bass verbringe, trinke ich vielleicht ein paar Bier und gehe runter in mein Studio, um ein paar Ideen zu entwickeln, melodische Ideen auf einem Instrument. Aber die meiste Zeit über klingen die Ideen, die es auf die Tool-Platten schaffen, eher rhythmisch und perkussiv. Es sind Beats, die mir in den Kopf kommen, wenn ich herumlaufe. Und danach wende ich dann eine Melodie darauf an. Ich nehme also einen irrsinnigen Beat [unverständlich 00:24:52] und zähle ihn aus. Etwas [unverständlich 00:24:54] normalerweise, das ist ... Aber man kann es trotzdem zählen, man muss nur einen Weg finden, wie man es taktet. Dann gehe ich hoch und wende eine Art von Melodie darauf an. Normalerweise verwendet man zu viel Melodie, und dann subtrahiert man etwas. Es ist fast wie ein Puls, der die ganze Sache in Gang setzt.

Evan B.:
Von dem, was ich gelesen habe, habe ich den Eindruck, dass ihr ein Riff oder eine Akkordfolge habt, eine Songidee, und dann experimentiert ihr ziemlich ausgiebig damit, von allen Seiten. Ob es der Beat ist, das Tempo, sogar die Taktart, die Instrumentalisierung. [unverständlich 00:25:30] Stimmt das?

Justin C.:
Auf jeden Fall. Es bringt mich immer zum Lachen, wenn ich im Radio höre, wie Leute Interviews geben und sagen: "Ja, ich habe zwei Minuten gebraucht, um diesen Song zu schreiben." Das ist eine tolle, wunderbare Sache. Bei uns ist das aber überhaupt nicht so. Ich meine, ich glaube nicht, dass das jemals passiert ist. Vielleicht bei Maynard, wenn er Texte schreibt. Ich weiß es nicht. Ich hatte ein paar kleine Momente beim Schreiben, wo ich dachte: "Okay, das ist wirklich cool." Und es kam irgendwie aus dem Nichts, man musste es nicht entwickeln. Aber was das Schreiben eines Stücks angeht, so experimentieren wir schon immer auf jede erdenkliche Weise. Und vielleicht ist die Band deswegen so, wie sie ist, denn einige der Parts, die ich schreibe, enden als Gitarrenparts, oder einige der Parts, die Adam schreibt, enden als Schlagzeug ... Wir sagen sogar: "Was ist Adams Gitarrenpart? Danny, spiel das auf dem Schlagzeug, einfach als Rhythmus. Oder wir spielen das auf deinen Pads. Und jetzt kann Adam etwas anderes spielen und darauf reagieren."

Evan B.:
Trägt Danny massiv zu den Experimenten bei?

Justin C.:
Ja, absolut. Ich meine, wir sind alle nur auf der Suche. Es macht uns wirklich Spaß, miteinander zu spielen. Das ist das Beste daran. Es macht wirklich Spaß, mit all dem Zeug zu experimentieren. Wenn man sich umschaut und mit den Ideen herumspielt, findet man manchmal etwas Größeres als den ursprünglichen Gedanken. Ein anderes Mal kommt man wieder auf den ursprünglichen Gedanken zurück, und es wird so offensichtlich, dass dieses ursprüngliche, grundlegende perkussive Riff oder was auch immer man hatte am stärksten klingt. Du hast versucht, Schichten hinzuzufügen, du hast jeden anderen versuchen lassen, es zu spielen, aber am Ende kommt es zurück zur ursprünglichen Idee. Das kommt auch vor, aber wir schöpfen alle anderen Möglichkeiten auf dem Weg dorthin aus.

Evan B.:
Also dieser Prozess, über den wir gerade sprechen, ist der ziemlich getrennt vom Gesangsprozess? Die Musik und der Gesang?

Justin C.:
Ja.

Evan B.:
Getrennte Phasen im Schreibprozess?

Justin C.:
Ja, das ist es. Die Band, die Musiker ... Naja, nicht, dass Maynard kein Musiker wäre, aber ich meine die Leute, die Instrumente spielen, nicht das Stimminstrument. [unverständlich 00:27:50] Dieser Prozess ist anstrengend für jeden, der Gesang darüber schreiben will, weil es sich ständig verändert. Es geht nicht einmal nur um die Melodien oder die Länge des Songs, sondern um die ganze Struktur. Wenn man versucht, ein Stück zu schreiben, das zusammenhängend und poetisch ist und voller Sprache und Gedanken steckt, und die Band ändert ständig die Ideen dahinter, dann ist das wirklich unglaublich frustrierend. Es sei denn, man singt einen Popsong, bei dem man einfach immer wieder die gleichen Worte wiederholt, dann kann man das wahrscheinlich in alles einbauen. 

Justin C.:
Aber ja, er wartet im Grunde ab, bis wir ...

Evan B.:
Okay. Ihr klärt euren Kram untereinander, und dann [unverständlich 00:28:39].

Justin C.:
Ja. Er sagt immer: "Ruft mich gar nicht erst an, bevor ihr das nicht festgelegt habt." Und wir haben das natürlich trotzdem getan. Wir haben ihm früher etwas geschickt, und dann haben wir weiter daran gearbeitet. Er fing dann schon mit einer Idee an, die sehr emotional und sensibel war, und liebte sie. Dann fiel uns auf: "Nun, wir haben das ein wenig verändert." Das geht irgendwie nicht klar. Also lief das dieses Mal anders ... Und in gewisser Weise zieht sich das Ganze dann noch länger hin, weil wir plötzlich denken: "Na gut, wir müssen jetzt wirklich zufrieden damit sein, bevor wir es ihm schicken." Also haben wir noch ein paar Jahre damit verbracht, es zu perfektionieren [unverständlich 00:29:17], denn danach gibt es kein Zurück mehr, soweit es uns betrifft.

Evan B.:
Gibt es jemanden in der Band, den man als den größten Perfektionisten bezeichnen könnte?

Justin C.:
Ich glaube nicht.

Evan B.:
Nein? Okay.

Justin C.:
Ich glaube nicht. Ich denke, jeder ist so ziemlich ... Ich bezweifle, dass es am Perfektionismus liegt, aber die kreativen Säfte von jedem fließen einfach. Man freut sich auf das Ergebnis einer Idee, und man brennt förmlich darauf. Ich schätze, wenn Leute malen, denken sie: "Oh, ja, das ist es." Aber bei vier Leuten hat jeder eine andere Vorstellung davon, wie es am Ende klingen soll, also muss man das irgendwie immer wieder loslassen. Vor allem, wenn ich von der Probe nach Hause komme, denke ich: "Das klingt so toll. Ich kann nicht glauben, dass wir heute so weit gekommen sind. Wir haben dieses Stück mit diesem Stück kombiniert und es ist einfach alles, wovon ich geträumt habe." Innerhalb einer Woche muss ich das dann loslassen. Ich sitze dann in meinem Studio und höre mir die CD immer noch an, wie einen kleinen, kostbaren Schatz. Aber der Song ist weg. Es verändert sich vollkommen, weil das nicht jedermanns Sache war. Verstehst du?

Justin C.:
Manchmal schickte sogar Maynard Vocals, bei denen ich dachte: "Oh mein Gott, das ist unglaublich. Das passt so perfekt zur Musik." Auf dem Album klingt das aber nun ganz anders. Als wir zu den Aufnahmen kamen, da wollte er etwas anderes von sich erzählen. Man muss das also ständig irgendwie loslassen.

Evan B.:
Vielleicht ein B-Seiten-Album für die Zukunft.

Justin C.:
Oh, ja. Ich meine, es ist wie ... [unverständlich 00:30:41] Ich habe Ordner und Ordner voller CDs. Jeden Tag haben wir die Proben aufgenommen. Das mag für Superfans interessant erscheinen, aber für alle anderen ist es vermutlich langweilig ... Man bekommt aber eine Vorstellung davon, wie erschöpfend der Prozess war, immer und immer wieder von vorn zu beginnen und verschiedene kleine Schritte zu versuchen.

Evan B.:
Sicher. Wie sieht es mit Songtiteln aus? Fällt das ausschließlich in den Bereich von Maynard?

Justin C.:
Wenn es um den lyrischen Inhalt geht, kommt das ganz von ihm. Er reagiert auf die Musik. Wir reden manchmal darüber, wir treffen uns ein paar Mal im Jahr vor den Aufnahmen und gehen durch, wo wir gerade stehen. Aber meistens fragt er nach Rhythmus-Ideen, oder lässt mich zählen ... Er versteht dann nicht ganz, wie der Rhythmus von etwas funktioniert, also helfe ich ihm, es auszuzählen. Aber wenn es um die eigentliche Poesie geht, ist es ganz allein seine Sache.

Evan B.:
Ihr mischt euch also gar nicht in die Texte ein? Das ist sein Ding. Ihr vertraut ihm da. [unverständlich 00:31:41].

Justin C.:
Nein, nein. Er spricht schon darüber. Es ist wirklich inspirierend, weil er anfängt, Muster in der Art und Weise zu erkennen, wie die Zahlen mit den Wörtern zusammenhängen, und das erforschen wir dann. Das mündet sogar in das Artwork. Das beeinflusst das Artwork ein wenig, weil man jetzt eine Diskussion darüber führt: "Wow, das ist verrückt. Ich habe hierüber nachgedacht. Du reagierst auf unsere Musik und singst das. Jetzt erzähle ich dir, dass die Musik mathematisch gesehen genau das aussagt."

Evan B.:
Wow, ja.

Justin C.:
Dann sprichst du mit Alex Grey, und er sagt: "Nun, ich arbeite da an diesem Bild." So läuft das.

Evan B.:
Du erwähntest das Artwork. Ganz schnell: Sind die Gerüchte wahr? Wird es auch eine physische Kopie der CD geben?

Justin C.:
Ja.

Evan B.:
Ausgestattet mit einem Bildschirm und Lautsprechern?

Justin C.:
Das stimmt.

Evan B.:
Wow.

Justin C.:
Ja. Das wird episch. [unverständlich 00:32:30] Es kann sich sehen lassen. Ich bekomme mein Exemplar heute, glaube ich.

Evan B.:
Oh wow.

Justin C.:
Ich durfte es schon sehen, das ist wirklich verrückt.

Evan B.:
Dann können wir genauso gut über Videos sprechen. Gibt es Videos, tatsächliche Musikvideos für Songs auf dieser physischen ...

Justin C.:
Nein.

Evan B.:
Okay.

Justin C.:
Es ist nur ein Teil des Ganzen. Ich weiß nicht, wie man es beschreiben soll. Fast wie eine Werbetafel, eine bewegliche Werbetafel, aber es ist eben ein achtminütiger Song.

Evan B.:
Es ist mit ein paar Titeln bestückt [Crosstalk 00:32:54].

Justin C.:
Nein, nur mit dem einen Lied.

Evan B.:
Okay. Nur ein Lied.

Justin C.:
Aber es befindet sich nicht auf dem Album. Es handelt sich um ein separates Stück. Man öffnet es also, sieht es sich an und hört es sich an.

Evan B.:
Gibt es in der Zukunft Pläne für Videos?

Justin C.:
Ja, wir arbeiten sogar an einem. Alles in Planung.

Evan B.:
Führt Adam Jones, euer Gitarrist, Regie?

Justin C.:
Ja. Ich meine, es gibt einen Haufen Leute, die daran mitarbeiten. Es gibt Material, das wir schon eine Weile nicht mehr verwenden konnten und das wir versuchen, einzubauen. Ein paar Leute machen auch CGI. Ich denke, es geht um eine größere Zusammenarbeit, als es bisher der Fall war. Du müsstest Adam nach den Details fragen. Aber es handelt sich um einen etwas größeren Medienmix. Ja, es wird Video geben.

Evan B.:
Das klingt super.

Justin C.:
Es wird klasse!

Evan B.:
Deshalb seid ihr ja auch Tool. Ihr verbindet die Medien. Wie siehst du deine Rolle in der Band?

Justin C.:
Ich bin der Bassist. [unverständlich 00:33:50] Der Groover. Ich weiß nicht so recht. Ein Arbeitstier. Ich schätze mich wirklich glücklich, Musik zu schreiben und einen Rahmen zu haben, in dem ich verrückte Sachen schreiben darf. Darüber denke ich nie wirklich nach. Ich fand einfach immer, dass diese Ideen cool klingen könnten, wenn sie ein Schlagzeuger spielt, und ein Gitarrist könnte sie mit mir spielen. Das funktionierte vorher so noch nie. Hier kann ich das aber bringen, seit 25 Jahren. Dadurch ist verrückter Kram entstanden. Danny guckt mich dann einfach an und nickt: "Yeah". Und steigt sofort in das ein, was ich spiele. Adam liebt es auch, oder er macht etwas, das völlig dagegen geht. Kreativ gesehen geht es nicht besser. Du hast diese tolle Idee und willst sie der Welt zeigen, oftmals zwingt man die Leute aber in eine andere Form oder passt es ein bisschen an das an, was alle anderen machen. Das hier ist wirklich ein absoluter Glücksgriff, der mich freu arbeiten lässt.

Justin C.:
Ich sage nicht, dass sie alles mögen, aber ich konnte ... Es gibt ein paar Sachen auf diesem Album, die so wahnwitzig sind, dass ich es kaum erwarten kann, dass Leute sie hören. Das hilft mir, dem Ganzen einen Sinn zu geben und etwas daraus zu machen.

Evan B.:
Dein Bassspiel trägt definitiv einen großen Teil zum Tool-Sound bei. Eine Sache, die mir auffällt, ist die Klarheit, die du in deinem Bass erzielst, besonders bei Riffs, die irgendwie kompliziert sind oder sich über verschiedene Saiten bewegen, wenn der Bass so leicht unordentlich und matschig klingen kann. Gibt es irgendwelche Geheimnisse, die du den Leuten verraten kannst? Entweder eine Technik oder EQ-Effekte?

Justin C.:
Da spielen alle möglichen Dinge eine Rolle. Wenn ich aufnehme, gebe ich mir auf jeden Fall eine Menge Optionen. Ich habe einen dreckigen Verstärker. Ich habe einen cleanen Verstärker. Ich habe ein Direktsignal. Dieses Mal hatte ich zwei Direktsignale. Eines mit allen Effekten, also lief es über den DI und ging durch alle Effekte. Das andere lief ohne Effekte. Man hat somit immer auch eine saubere DI. Und wenn man dann einen bestimmten Teil des Songs abmischt, spielt man mit den Balancen zwischen diesen vier verschiedenen ... Es klingt übertrieben, aber manchmal muss man, um, wie du sagst, die Klarheit durch die ganze Tonleiter und den Bass zu hören. Und je nachdem, was die Gitarre oder das Schlagzeug spielt, muss man ein bisschen mehr von dem einen oder dem anderen aufdrehen. Die crunchy, verzerrten Seiten vertragen ein wenig mehr High-End, vielleicht musst du das ein wenig pushen und es dringt bei einem bestimmten Drum-Fill durch. Das gibt dir Optionen, wenn du das machst.

Justin C.:
Und das ist gar nicht so kompliziert. Du kannst ein direktes und cleanes Signal erzeugen und ein Signal, das in deinen Verstärker geht. Ich benutze sogar zwei Verstärker, was das Budget ein wenig strapaziert. Man muss einen Splitter haben und das schmutzige Signal in den anderen Amp leiten. Aber für Aufnahmezwecke ist das wirklich etwas, mit dem wir spielen, um die Balance in jedem Teil der Komposition zu finden.

Evan B.:
Verstanden, okay. Welche Saiten nutzt du?

Justin C.:
Oh, Ernie Ball.

Evan B.:
Wirklich? Welche Stärken spielst du?

Justin C.:
Ich glaube die Super Slinky. Nämlich .045, .065, .085, und dann kommt eigentlich .105, aber ich spiele unten lieber .110.

Evan B.:
Oh, okay.

Justin C.:
Und dann muss ich eine separate Saite nur für das Drop-D Tuning besorgen. Ich spiele auch ein paar Sachen in B, E, die sich nicht auf diesem Album finden, aber dafür benutze ich den Satz mit fünf Saiten. Ich nehme, glaube ich, die .135 für das Drop-B. Und für das E nehme ich eine .105. Ich versuche einfach, die Saitenstärke an die Note anzupassen, und ich finde, das macht einen gewaltigen Unterschied. Das macht es wirklich. Wenn ich die .105er in Drop B spiele, flattert sie richtig. Jeder spielt anders. Ich nehme ein Plektrum, und ich schlage ziemlich hart an. Ich denke, man muss einfach herausfinden, was für einen funktioniert.

Evan B.:
Klasse. Ihr habt euch beim Streaming eine ganze Weile zurückgehalten und kürzlich eure Sammlung auf allen Streaming-Plattformen veröffentlicht. Es gibt also nicht nur ein neues Album, sondern gleich alle eure Songs online. Nachdem ihr euch eine Weile gewehrt habt, könnt ihr damit leben, jetzt zur Streaming-Welt zu gehören?

Justin C.:
Ich finde das ziemlich episch. Die letzten paar Wochen war es unglaublich, zu sehen, wie alles herauskam und nun zur Verfügung steht. Mich wundert es auch, dass es so lange zurückgehalten werden konnte... die Piraterie machte uns früher wirklich Sorgen. Und irgendwie kam unser Zeug nie wirklich ... Ich meine, man kann es auf YouTube finden. Du gehst da drauf und hörst dir das Album an und so. Aber wir mussten wirklich eine Menge Arbeit in diese Veröffentlichungen stecken. Wir ließen jedes einzelne Album für das digitale Format remastern. Das macht alles Bob Ludwig in Portland, Maine. Er mastert alle unsere Platten und hat auch alle alten Platten für das digitale Format neu gemastert, nachdem er, ich weiß nicht wie viele Jahre, aber fünf oder sechs Jahre High-End-Erfahrung mit dem Mastern von Material hatte, das über einen digitalen Dienst veröffentlicht wird, und das auch im Radio gehört und Feedback bekommen hat. Ich denke, kann es wirklich nicht klingen. Es hört sich allerdings ein wenig anders an als die Original-CD-Version. Es gibt also Vor- und Nachteile.

Evan B.:
Ihr habt einige Rekorde gebrochen, als ihr alles auf einmal veröffentlicht habt.

Justin C.:
Scheint so, ja.

Evan B.:
Eine Reihe von Tracks an der Spitze der Charts. Und ich glaube, ja, Fear Inoculum kam als erster Song über zehn Minuten in die Billboard Hot 100.

Justin C.:
Die Hot 100 [unverständlich 00:39:49].

Evan B.:
Das ist doch super.

Justin C.:
Ganz ehrlich, es ging wirklich aufregend zu. Zu diesem Zeitpunkt blieb uns wirklich keine andere Wahl, als das zu tun. Ich meine, wir verkaufen keine CDs mehr. Außerdem ist es ein günstiger Zeitpunkt, weil unsere Platte bald rauskommt. Wir mussten auch sehr eng mit der Plattenfirma zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass man uns ordentlich entschädigt. Es waren ein paar wirklich verrückte Wochen. Meine Familie kam zu Besuch, also war ich abgelenkt, aber ich schaute mir auf meinem Handy die Charts an. Ich meine, es ist wirklich unglaublich.

Evan B.:
Das ist wahrscheinlich interessant, weil alle Zähler auf Null gehen. Man veröffentlicht seine ganze Musik. Man sieht, welche Songs die Leute tatsächlich am meisten hören.

Justin C.:
[unverständlich 00:40:29] Na ja, ich weiß, dass das Album Lateralis sich immer noch in den Top 20 der iTunes Albumcharts befindet. Seit drei Wochen hält es sich dort, was mich wirklich überwältigt. Aber alles fühlt sich gerade aufregend an. Vor Kurzem haben wir eine Tour gespielt. Wir fuhren nach Europa und spielten einen Haufen Festivals. Dort traten wir als Headliner auf und spielten auch unsere eigenen Shows. Eigene Shows in Europa zu spielen, nach zehn oder elf Jahren oder so, das hat sich verdoppelt oder verdreifacht, ohne dass wir etwas veröffentlicht hätten. Und das, bevor wir unseren ganzen Katalog rausbrachten! Es handelt sich einfach um einen sehr glücklichen Zufall, dass alles auf diese Weise zusammenkam. Ich glaube, man merkt uns auch die Erleichterung über die Fertigstellung unseres neuen Albums an. Es ist einfach alles eine Verkettung glücklicher Umstände.

Evan B.:
Auf jeden Fall. Plant ihr Touren?

Justin C.:
Oh ja. Hörst du nächsten Freitag.

Evan B.:
Okay.

Justin C.:
Ja, das wird super.

Evan B.:
Das können sich unsere Zuhörer sicher schon ausmalen.

Justin C.:
Dann wartet mal, bis ihr hört, wer als Vorband mitkommt. Fantastisch, sage ich euch.

Evan B.:
Oh weia. Und das willst du nicht schon jetzt verraten?

Justin C.:
Ich darf nicht. Ich wollte, aber ich darf nicht.

Evan B.:
Ja, ich weiß.

Justin C.:
Die Details stehen noch nicht ganz. Sprecher 4: Es ist Bon Jovi, oder?

Justin C.:
Na klar.

Evan B.:
Welchen Song auf dem Album magst du am liebsten?

Justin C.:
Das ändert sich ständig. Der erste Track, den wir geschrieben haben, war Descending, glaube ich. Als wir mit dem Schreiben fertig waren, wollte ich ihn nie wieder hören. Plötzlich, Jahre später, stellen wir das ganze Ding fertig, und jetzt gehört er zu meinen Lieblingssongs. Ich liebe ihn wirklich sehr. Ja, ich weiß auch nicht. Es ändert sich ständig, ehrlich gesagt. Ich liebe den letzten Track, Tempest, er klingt wirklich episch. Er ist 15 Minuten lang. Er kombiniert meinen und Adams Vibe, was die Riffs angeht. Dann geht es mit Danny richtig ab. Der Gesang hört sich darauf wunderschön an. Es wirkt vielleicht selbstgefällig, aber episch. Ich meine, das Gitarrensolo dauert etwa sieben Minuten.

Evan B.:
Ich kann es kaum erwarten.

Justin C.:
Er ist voll von verrückten Taktartwechseln, aber es ist trotzdem ein wirklich knallharter Rocksong. Und er fungiert als letzter Track auf dem Album, auf dem CD-Format.

Evan B.:
Habt ihr bei Lateralis nicht vor dem Release eine falsche Tracklist lanciert?

Justin C.:
Nun, beim Album davor konnte sich jemand der Tracklist bemächtigen und sie veröffentlichen. Das nervt natürlich ein bisschen, wenn du das eigentlich der Welt präsentieren möchtest.

Evan B.:
Logisch.

Justin C.:
Wirklich die gesamte Liste! Also, entschuldige mal. Danach dachten wir uns dann einfach ein paar falsche Songs aus und lancierten diese, damit alle davon ausgingen, sie wüssten, wie die Lieder heißen. Wir haben Ænima in Europa noch einmal separat veröffentlicht, gemeinsam mit all unseren vorigen Alben. Für den Release dachten wir uns dann zehn falsche Alben aus, die man angeblich kaufen konnte. Völlig verrückter Kram, wie Live at the Acropolis. Die olle Landstraße.

Evan B.:
Ja, ja, okay.

Justin C.:
Tetanus for Breakfast.

Evan B.:
Irgendwelche Streiche, die ihr für dieses Album geplant habt? [unverständlich 00:43:47]

Justin C.:
Weißt du, keine Ahnung. Wenn ich es dir sage, zählt es ja nicht mehr als Streich.

Evan B.:
Also, alle aufpassen. Wen bezeichnest du als deine wichtigsten Einflüsse? Wir nehmen Bassisten und Bands.

Justin C.:
Das klingt wie ein Klischee, aber Jimi Hendrix übt einen großen Einfluss auf mich aus. Ich liebe die Freiheit in allem, was er tat. Ich mag einfach die kompromisslose Unbeholfenheit seines Spielstils. Es geht nicht darum, perfekt zu klingen. Es geht nur darum, Grenzen zu überschreiten und einfach den Moment zu fühlen. Ich finde das wirklich inspirierend, besonders wenn man live spielt. Von den Bassisten sind viele verstorben. Jimi ist auch tot. Cliff Burton war großartig! Als ich noch klein war, faszinierte mich Phil Lynott. Erstaunlich. Thin Lizzy. Kennst du Andrew Weiss? Er hat eine Zeit lang in der Rollins Band gespielt. Er spielt auch für Ween und so. Ich erinnere mich, ihn mit der Rollins Band live gesehen zu haben. Einfach ein wahnsinniger Bassist. Wirklich inspirierend. In meiner Kindheit gab es eine Band namens The God Machine. Na ja, ich wohnte schon in London, aber ich war etwa 21. Es fühlt sich an, als wäre ich da noch ein Kind gewesen. Jimmy Fernandez. Er war unglaublich, aber er ist auch nicht mehr da. Eric Avery, der Bassist von Jane's Addiction. Mit diesen Basslinien darf man sich nicht anlegen.

Justin C.:
Ich meine, wenn wir über Musik im Allgemeinen reden... Da gibt es so viel, was ich mag. Elektronische Musik, Indie, alle möglichen Sounds. Vielleicht sogar weniger von den heavy Sachen. Wobei ich momentan viel Behemoth höre. Die Jungs durfte ich neulich kennenlernen. Es macht immer einen großen Unterschied, wenn man die Leute kennt und sie dich in ihrer Welt willkommen heißen.

Evan B.:
Klar.

Justin C.:
Und man lernt, ihre Musik anders zu schätzen. Ich mag Wolves in the Throne Room. Mir gefällt einiges von diesem wirklich harten Zeug. Ich schätze, man nennt es Dark oder Black Metal. Aber ich mache mir nichts aus Kategorien, wirklich. Ich denke, das ist irgendwie dumm. Es gibt einfach tonnenweise verschiedene Sachen. Aber Wolves in the Throne Room ... für mich klingen sie wie Mogwai. Weißt du, was ich meine? Einfach ausgedehntes, klangvolles Zeug. Ich denke, das können wir auch auf Tour machen. Echte Atmosphäre, und dann wird's richtig heavy ... Das ist der Unterschied, dass wir bei Tool das Privileg haben, von allem etwas zu machen. Es gibt einige wirklich schöne Vocals auf dem neuen Album. Es ist eine ganz andere Mischung als das, was man bisher kennt. Ich bin wirklich ein großer Fan von Musik.

Justin C.:
Wenn wir auf Tour sind, kann man mich sogar manchmal hinter dem DJ-Pult erwischen, wenn wir am nächsten Tag freihaben.

Evan B.:
Echt?

Justin C.:
Ja, ich nenne es den Shower Club und das findet für die Crew und die Band statt. Wenn wir am nächsten Tag kein Konzert haben und alle ihre Arbeit niederlegen. Dann ist es ja meist schon ein Uhr in der Frühe, also essen wir noch etwas, nehmen ein paar Drinks und dann drehe ich für ein paar Stunden die Plattenteller, was mir echt Spaß macht.

Evan B.:
Und wo genau findet das statt?

Justin C.:
In der Konzert-Venue.

Evan B.:
Oh, okay.

Justin C.:
Ja, wir bauen also am Veranstaltungsort auf und müssen nicht sofort losfahren, weil wir am nächsten Tag nicht in eine andere Stadt müssen, also machen wir einfach ein Barbecue oder so etwas in der Art. Das mache ich gerne. Ich liebe es, in meinen Kopf zu tauchen und einfach dem Vibe zu folgen, was eigentlich der Traum eines jeden DJs ist. Man reagiert einfach auf das Publikum.

Evan B.:
Was ist das Beste und das Schlechteste an deinem Job?

Justin C.:
Oh mein Gott. Das Beste und das Schlimmste. Zum Besten zählt das Live-Spielen, ganz sicher. Eine Show zu spielen, eine wirklich greifbare Sache, wo du vor einem Publikum stehst und du spielst aufregende Musik und sie haben einen tollen Abend. Es gibt nichts Besseres als das.

Evan B.:
Gibt es bei euren Shows ein Handyverbot?

Justin C.:
Haben wir. Da du es ansprichst, wir haben das gerade in Europa gemacht. Eigentlich war das zwei Wochen vorher bei einer Show in Amerika. Ich war entsetzt, als Maynard mir das erzählte. Er sagte: "Ich werde allen sagen, dass sie ihre Handys nicht benutzen dürfen und sie rausgeschmissen werden, wenn sie es tun." Ich dachte: "Das ist nicht ... Das ist ein toller Gedanke, aber das ist nicht ..." 

Evan B.:
Nicht alle Bands können so etwas durchziehen.

Justin C.:
Das kommt nicht bei jedem gut an. Aber es war unfassbar. Wir hatten vorher eine Ankündigung gemacht, und alle hielten sich daran. Klar, den Kram konnte man nachher trotzdem auf YouTube sehen, weil alle Kameras in ihren Brillen haben oder so ähnlich. Aber eine Show zu spielen und sich das nicht angucken zu müssen, fühlte sich großartig an. Ich glaube, den Leuten gefiel es auch. Beim letzten Song sagte er dann, dass alle ihre Smartphones herausholen können. Am Schluss spielten wir dann Stinkfist, und die Leute durften es filmen. Beine ein filmischer Moment, wie dann alle iPads rauskamen.

Evan B.:
Wollt ihr den Leuten damit helfen, eine gute Zeit zu erleben und es einfach mal gut sein zu lassen?

Justin C.:
Ja. Ich meine, jemand nimmt es ohnehin auf und es kommt auf YouTube, aber es zeugt auch von Respekt uns gegenüber, sich tatsächlich auf das Erlebnis zu konzentrieren. Das kann man nicht, wenn man auf sein Handy schaut. Weißt du, was ich meine? Nachdem ich das eine Woche lang gemacht habe, dachte ich: "Mann, das ist genial." Ein wirklich mutiger Schritt, weil man nicht will, dass die Leute sich aufregen. Ich glaube, er hat das schon mal mit Perfect Circle gemacht. Er sagte: "Ich mache das, und ihr werdet sehen, es wird eine Menge Hass geben. Wir werden einige Gegenstimmen bekommen, aber ich will das wirklich machen." Es ist einfach auch ablenkend, wenn Leute ... Sie wissen schon, so. Man will auch die Gesichter der Leute sehen.

Evan B.:
Ja. [unverständlich 00:49:34] Die Leute machen sich mehr Gedanken darum, ihr Erlebnis zu dokumentieren, als es zu erleben.

Justin C.:
Und meist schauen sie es sich nicht einmal mehr an. Weißt du? Vielleicht am nächsten Tag, für ein paar Sekunden. [unverständlich 00:49:44]

Evan B.:
Um es zu posten, klar.

Justin C.:
Aber manche Leute stellen es auf YouTube. Vor diesen Personen habe ich fast Respekt; wenigstens machen sie etwas damit. Aber die Mehrheit der Leute benutzt es wirklich nie wieder. Eine schlechte Angewohnheit. Ich denke, die meisten Leute konnten die Show genießen, ohne dieses Zeug.

Evan B.:
Das freut mich. Ich glaube, ich habe dich unterbrochen. Gibt es auch etwas, was du an deinem Job nicht magst?

Justin C.:
Nicht wirklich. Ich meine, das Geschäft bleibt einfach hart. Ich habe mich immer zurückgehalten, aber man muss verantwortungsvoll damit umgehen. Man trägt die Verantwortung für die Jobs vieler Leute. Man hat mit vielen verschiedenen Aspekten zu tun, mit finanziellen Fragen. Man muss irgendwie verantwortungsvoll damit umgehen. Du generierst dieses Einkommen. Du bekommst ein größeres Gefolge von Leuten, die für dich arbeiten, und manchmal geht es schief und du landest vor Gericht. Früher fand ich das furchtbar. Aber man muss sich irgendwie darauf vorbereiten, denn das gehört nun mal dazu. Je mehr man sich dessen bewusst ist und sich darauf einstellt und vorbereitet, desto mehr kann man die schlimmen Dinge vermeiden, wenn man sich wirklich dafür interessiert.

Evan B.:
Toll! Nun, die Wartezeit nähert sich ihrem Ende. Ich kann es kaum erwarten, das Album zu hören. Justin Chancellor, danke, dass du beim Podcast mitmachst.

Justin C.:
Gern geschehen. Danke für die Einladung!

Evan B.:
Danke, dass ihr euch den Striking A Chord-Podcast, präsentiert von Ernie Ball, anhört. Wenn er euch gefällt oder ihr mehr Folgen hören wollt, hinterlasst eine Review bei iTunes oder eurer bevorzugten Podcast-Plattform. Falls ihr Vorschläge habt, welche Gäste ihr im Podcast hören wollt, schreibt eine Mail an [email protected].